Expeditionen mit Quanok

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Rückblick von Johannes

Spitzbergen 2008Posted by Johannes Sichelschmidt 25 May, 2008 20:55:33
Im Vorfeld der Expedition hatte ich gehörigen Respekt vor den neuen Herausforderungen in der Arktis. Die neuen Unbekannten waren die Eisbären, die Gletscherspalten und die raue Arktis selber.

Von den drei Unbekannten war allein das arktische Klima für mich im Nachhinein betrachtet am schwierigsten zu bewältigen. Diese schnellen Wetteränderungen mit viel Wind, Kälte und Nebel sind anstrengend und fordern eine gewisse Gelassenheit ihnen gegenüber heraus. Es macht ja keinen Sinn sich darüber zu ärgern, obwohl ich dem Wind häufig die Sinnlosigkeit des an mir Herumzerrens erklärt habe. Die einzigen Alternativen sind Laufen oder Zelt aufbauen.

Die Problematik der Eisbären ist eher von mentaler Bedeutung. Die Wahrscheinlichkeit einen Eisbären in unmittelbarer Nähe auf Distanz halten zu müssen ist doch eher gering. Die Schwierigkeit besteht darin, dass diese Wahrscheinlichkeit rund um die Uhr besteht. Im Laufe der Expedition ist die Gefahr groß, dieses Risiko zu vernachlässigen. Das macht sich durch eine geringere Aufmerksamkeit bemerkbar. Die Vorbereitung auf eine Begegnung mit einem Eisbären ist neben Ausrüstung und ausführlichen Informationen das gedankliche Durchspielen einer Begenung. Mir hat der Gedanke eines Bärenkontaktes während des Tiefschlafes am wenigsten behagt.

Ebenso ist die Gefahr in Gletschersplaten zu fallen nicht wirklich greifbar. Der Weg über die Gletscher ist mit anderen Schneefeldern durchaus zu vergleichen. Der Gedanke an die Gletscherspalten unter den Schneebrücken ist seltsam. Die Gewissheit, dass diese halten, hat man ja nicht hundertprozentig. Durch die Informationen vom Sysselmann über die gefährlichsten Splatenregionen waren wir aber gut vorbereitet.

Spitzbergen ist landschaftlich beeindruckend und abwechslungsreich. Zu Beginn sind wir die schneebedeckten Täler durchwandert und sind über einen zugefrorenen Fjord auf das Inlandeis gewandert. Die Berge beeindrucken durch unterschiedlichste Formen wie Plateaus und zackige Kronen. Der Nebel und die ständige Sonne, die Wolken und die Schneeaufwirbelungen durch den Wind geben der Landschaft vielfältige Gesichter. Der Nebel quillt den Gletscher hoch und bildet bereits die Lanschaft nach. Darüber scheint die Sonne und die Sicht ist wunderbar. Sobald der Nebel uns erreicht hat, verschwindet die Landschaft in einem diffusem Weiß. Diese Verhältnisse haben sich teilweise soweit verstärkt, dass noch nicht einmal die Sonne zu orten war. Damit wurde die Umgebung konturlos und eine Abschätzung der Sichtweite war nicht möglich. Zu Beginn hat es mich sehr erstaunt, dass die vorbeifahrenden Scooter schon von weitem sichtbar waren, dies lag an ihrem Kontrast zur weißen Umgebung. An einem anderen Tag habe ich Georg fast aus den Augen verloren, obwohl das Gefühl der Sichtweite nicht anders war.

Die letzten sechs Tage wurden wir von der Sonne verwöhnt. Die Sonne wird bei einer solchen Tour zur zentralen Bedeutung. Sie ist für die gute Stimmung wichtig. Sie vertreibt den Nebel und sie wärmt das Zelt. Sie sorgt für Energie, sowohl für uns als auch für unsere technische Ausrüstung. Wir haben uns in diesen letzten Tagen immer besser gefühlt und uns gefreut, dass sie es so gut mit uns meint. Am Anfang haben wir den Wetterumschwung stündlich erwartet und waren verblüfft über die ungewohnte Beständigkeit. Ebenso war der Wind von Bedeutung. Bei minus 20°C kann man im langärmligen Unterhemd ohne Probleme wandern. Sobald aber nur ein wenig Wind aufkommt, muss man das Tempo erhöhen oder sich gleich einen Winschutz anziehen, damit man nicht anfängt zu frieren. Der Wind ist besonders nach anstrengenden, schweißtreibenden Einheiten extrem unangenehm. Die hohe Kunst besteht darin, möglichst nicht zu schwitzen. Das führt entweder zu frostigen Starts nach der Pause oder zu umständlichen Umziehpausen bereits nach 10 Minuten.

Wir haben viele Erfahrungen gemacht und wurden doch von dem Großteil unserer Ausrüstung nicht enttäuscht. Ein paar kleine Details werden in der Zukunft berücksichtigt. Zum Beispiel ist es enorm wichtig, alles mit Fausthandschuhen betätigen zu können. Weiterhin geht die Outdoor-Mode dem Trend nach, möglichst wenige Taschen an die Hosen und die Jacken zu nähen. Durch die Kälte ist es aber sehr wichtig, viele Dinge bei sich zu haben, auf die man schnellen Zugriff hat (Zwiebelprinzip). Ich selber werde nicht mehr ohne Kapuze an meiner Softshell wandern gehen. Die Sturmhaube war zwar bis auf den Nasenbereich gut, aber der Übergang von Haube zu Jacke ließ noch zuviel Wind hinein.

Das Fazit dieser Expedition für mich ist, dass ich mich in der Arktis ohne Golfstrom noch viel anspruchsvolleren Bedingungen stellen muss. Das bedeutet
auch, ich muss gezielter für die Expedition trainieren, damit mein Körper den erhöhten Anforderungen gewachsen ist.
Die Vorbereitung für eine gesponsorte Expedition sind sehr zeitaufwendig. Neben den gezielten Vorbereitungen für die Expedition ist die Zusammenarbeit mit den Sponsoren und die Öffentlichkeitsarbeit von großer Bedeutung. Neben einem Vollzeitjob ist das nur in Grenzen zu bewältigen. Daher danke ich Georg, dass er sich viel intensiver um diese Tätigkeiten gekümmert hat.
Für mich ist es eine Frage der Fairness Georg gegenüber, ob ich eine weit anspruchsvollere Expedition in Angriff nehmen kann. Wir werden darüber diskutieren müssen.

Ich danke an dieser Stelle allen Menschen die uns unterstüzt haben und somit diese Expedition möglich gemacht haben! Dazu gehören natürlich die Sponsoren, unsere Familien und helfende Freunde.

Johannes

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